September 2014   von Julian von Borries
20. – 21. September

5 Länder in 2 Tagen!

Auch in diesem Jahr machte sich unser Vorstand, vertreten durch Heinz Lorenzen und Julian von Borries, auf die Reise nach Corlata. Aufgrund des unproblematischen Reiseverlaufs im Vorjahr wählten wir wieder die Route Deutschland – Tschechien – Slowakei – Ungarn – Rumänien.
Nachdem wir bereits um 05:00h aufgebrochen waren, erreichten wir nach etwa 16 Stunden gegen 21:00h unser Zwischenziel, den Ort Gödöllö etwas östlich von Budapest. Die im Vergleich zum Vorjahr 1 Stunde längere Fahrzeit entstand durch ein Straßenfest in Budapest, für das der Innenstadtbereich großräumig für den Verkehr gesperrt war – ein Problem, das sich auch mit Hilfe unseres Navigationssystems nur schwer lösen ließ, da wir keine genauen Informationen über die gesperrten Straßen bekommen konnten.
Nach einem schnellen Abendessen fielen wir ins Bett.
Am nächsten Morgen verließen wir um 08:00h unsere Unterkunft, um die zweite Etappe von etwa 650 Kilometern in Angriff zu nehmen.
Gegen 19:30h erreichten wir unsere Pension in Gura Humorului, wo wir als Stammgäste freundlich empfangen wurden.
Auch unser Dolmetscher, in diesem Jahr Rares aus Sibiu, war bereits eingetroffen. Bei einem ausgiebigen Abendessen konnten wir dann den Zeitplan für die nächsten beiden Tage besprechen.

22. September

Corlata hat eine asphaltierte Straße!

Auf dem Weg nach Corlata machten wir einen Zwischenstopp im Bürgermeisteramt, wo bereits ein intensives Gespräch mit der Bürgermeisterin stattfinden konnte. Von Frau Taran erfuhren wir, dass die Heizungsanlage nach dem Einbau einer weiteren Zirkulationspumpe den gesamten Winter ohne Probleme funktioniert und immer für ausreichende Wärme gesorgt hatte. Der Bau eines neuen Schornsteins ist damit ersteinmal unnötig.
Die wichtigste Neuigkeit war die Information, dass die Hauptstraße nach und durch Corlata im Sommer dieses Jahres asphaltiert wurde. Nach Abschluss der noch laufenden Restarbeiten (Rinnsteine setzen) wird Corlata dann ganzjährig unter allen Witterungsbedingungen mit allen Fahrzeugen erreichbar sein.
Der Ausbau der Straßen soll in den nächsten Jahren fortgeführt werden, um auch die Nebenstraßen in Corlata mit einer Asphaltdecke zu versehen. Außerdem laufen Verhandlungen mit der Regierung in Bukarest, um die Finanzierung einer zentralen Wasserversorgung zu erreichen. Im Vorgriff auf dieses Projekt wurden vor Beginn der Asphaltierungsarbeiten bereits Wasserleitungen (inklusive Zuleitungen zu den Häusern) und Leerrohre für Strom- und Telefonleitungen verlegt. Die inzwischen erfolgten groben Vorplanungen für einen Sportplatz haben gezeigt, dass auch bei einer gemeinsame Finanzierung zusammen mit der Gemeinde ein solches Projekt zur Zeit nicht realisierbar ist. Wir erörterten daher die folgende Alternative: Die Schule erhält eine Grundausstattung für den Sportunterricht, der zumindest im Sommerhalbjahr im Freien auf einer Wiese hinter der Schule stattfinden kann. Dabei verzichten wir zunächst auf größere Sportgeräte, um finanziellen Spielraum zu schaffen. Im kommenden Jahr können wir dann – die Zustimmung des Gemeinderates vorausgesetzt – einige Indoor-Sportgeräte beschaffen. Dann kann der Sportunterricht bei schlechtem Wetter im Gemeindezentrum stattfinden.
Eine Wunschliste für die Grundausstattung wird der Sportlehrer kurzfristig bereitstellen.
Anschließend fuhren wir weiter nach Corlata. Dort statteten wir dem Kindergarten und der Schule einen ersten Besuch ab, um das aus Deutschland mitgebrachte Kreativmaterial (Buntstifte, farbiges Kopier- und Bastelpapier, Tuschkästen, Knetmasse…), Spiele für den Kindergarten sowie neue Tonerkartuschen für den Drucker/Kopierer abzuliefern. Dann breiteten wir uns im Gemeindezentrum aus: Die von uns aus Deutschland mitgebrachte Kinderkleidung wurde aus dem bis in den letzten Winkel vollgestopften Auto geladen und nach Art und Größe sortiert. Dabei bekamen wir reichlich „Besuch“ von Kindern, die sich die Nasen an den Fenstern platt drückten. Auch wollten wieder einige Frauen schon vorab die schönsten Kleidungsstücke für ihre Kinder aussuchen – ein Ansinnen, das wir wie üblich aus Fairnessgründen ablehnen mussten.
Gegen 19:00h erreichten wir dann unsere Unterkunft, in der wir nach dem Abendessen noch eine Sonderschicht einlegten: Die über 100 Tüten mit Süßigkeiten für die Kinder in Corlata mussten noch gepackt werden.



23. September

Rundreise durch Corlata!

Im Laufe des Vormittags teilten wir, wieder unterstützt von der Sozialarbeiterin, die Kinderkleidung auf 88 Beutel auf. Frau Obada hatte bereits Vorbereitungen getroffen und eine Liste der Kinder angefertigt, in der neben dem Alter auch Kleider- und Schuhgrößen vermerkt waren. Dank der großzügigen Kleiderspenden, die wir im Laufe des Jahres erhalten hatten, konnten wir wieder alle bedürftigen Kinder mit Kleidung sowie Schuhen, Sandalen und Stiefeln versorgen. Außerdem wurde jeder Kleiderbeutel durch eine kleine Tüte Süßigkeiten sowie etwas Spielzeug komplettiert.

Am Nachmittag lieferten wir innerhalb von 5 Stunden die Beutel an 55 Familien aus. Dabei überreichten wir jedem kleineren Kind ein Kuscheltier und wurden mit strahlenden Kinderaugen belohnt.
Anschließend konnten wir wieder Studienbeihilfen auszahlen: Ein schon in der Vergangenheit unterstützter Schüler einer weiterführenden Schule nimmt am 1. Oktober sein Studium auf. Der Student, der bereits im letzten Jahr einen Zuschuss zu den Studiengebühren erhalten hatte, konnte sich über eine weitere Zuwendung freuen. Außerdem konnten wir einem dritten Studenten, dessen Familie unerwartet in eine finanzielle Notlage geraten war, unter die Arme greifen. Zitat des Vaters unter Tränen: „Ihr kommt genau zur rechten Zeit, euch hat Gott geschickt!“

Ein kurzes Gespräch mit dem Pastor der rumänisch-orthodoxen Gemeinde in Corlata zeigt deutlich, dass auch Rumänien mit der Überalterung der Bevölkerung zu kämpfen hat: Die rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde umfasst zur Zeit etwa 120 Familien. Innerhalb der vergangenen 2 Jahre konnte nur 1 Hochzeit gefeiert werden. 4 Taufen stehen 8 Beerdigungen gegenüber.

24. September

Shopping Teil 1!


Auf den üblichen Zwischenstopp zum Geldwechseln bei einer Bank in Gura Humorului folgte ein weiterer Besuch in der Schule und dem Kindergarten von Corlata. Bei zahlreichen Kindern erkannten wir die neuen Kleidungsstücke wieder, die wir am Vortag verteilt hatten. Große Freude riefen die Tüten mit Süßigkeiten hervor, die wir bei diesem Besuch verteilten.


Eine genaue Begutachtung der Heizungsanlage förderte nur ein kleines Problem zutage: Der Anschluss des Abgasrohres an den Schornstein ist schadhaft und muss umgehend abgedichtet werden.
Anschließend machten wir uns auf den Weg in die Kreisstadt Suceava. Begleitet von einer Lehrerin und ausgestattet mit Wunschlisten der zweiten Lehrerin und der Kindergärtnerin besorgten wir den Bedarf für Schule und Kindergarten: Große Stapel Kopierpapier, stapelweise Schulhefte verschiedener Linierung, Bastelscheren, Zeichenblöcke, Papier- und Bastelkleber, Bleistifte, Anspitzer, Tintenpatronen, und und und.

Im Buchhandel besorgten wir Klassensätze verschiedener Schulbücher (dabei mussten wir insgesamt 3 Buchhandlungen anfahren, um die benötigten Stückzahlen zu bekommen). Weiterhin wurden Kopiervorlagen als Material zur Unterrichtsvorbereitung für verschiedene Fächer beschafft. Die Vorschulklasse benötigte spezielle Übungshefte. Die Spielothek konnte mit weiteren Spielen und Puzzles ausgestattet werden. Auch haben wir wieder neue Bücher für die Schulbibliothek gekauft. Der Schwerpunkt lag auf - in diesem Jahr erstmals verfügbaren - Erstlesebüchern, die durch spannende kindgerechte Geschichten in Großdruck besonders die Schüler der ersten und zweiten Klasse ansprechen sollen. Weiterhin wurden alte zerlesene Bücher durch neue ersetzt.
Aufgrund der vorgerückten Stunde beschlossen wir, den Kauf der für den Sportunterricht gewünschten Utensilien auf den nächsten Tag zu verschieben. Nachdem wir die Lehrerin zuhause abgeliefert hatten erreichten wir gegen 20:00h unsere Unterkunft.

25. September


Shopping Teil 2!


Am Morgen lieferten wir die Einkäufe des Vortages in Corlata ab. Außerdem nahmen wir zwei defekte Ladegeräte des Notebooks und der Docking Station entgegen. Wir hofften, in Suceava Ersatz zu bekommen.
Anschließend statteten wir der Schule in Berchisesti einen Besuch ab und trafen uns mit Frau Varvaroi - der auch für Corlata zuständigen Schulleiterin - zum Gespräch.


Ihr konnten wir einen gespendeten Drucker übergeben, für den wir auch Farbpatronen als Zubehör mitbrachten. Unsere besonderen Anmerkungen beinhalteten auch den Hinweis auf die notwendige kleine Reparatur am Schornstein der Schule in Corlata. Außerdem regten wir an, in Corlata in der Nähe der Schule Warnschilder zur Geschwindigkeitsbeschränkung aufzustellen – durch die neue Straßendecke ist die Geschwindigkeit der Fahrzeuge deutlich angestiegen. Wir wurden beruhigt: Schon die Planung beinhaltet die Aufstellung entsprechender Verkehrsschilder direkt nach Abschluss der Straßenarbeiten.
Gegen Mittag machten wir uns erneut auf den Weg nach Suceava. Ziel war diesmal ein großes Sportfachgeschäft. Entsprechend der Liste, die uns der Sportlehrer für die Grundausstattung mitgegeben hatte, beschafften wir: 2 gute Fußbälle, 3 gute Handbälle, 1 Ballpumpe, 5 Badminton-Sets sowie Ersatzbälle, 8 Gymnastikreifen in 2 Größen, 80 Hütchen als Hindernisse oder Markierungen für das Lauf- und Fußballtraining, 8 Springseile, 1 Stoppuhr und 1 Trillerpfeife.

Die Suche nach einem passenden Ersatz für die defekten Ladegeräte blieb leider trotz des Besuchs mehrerer Fachgeschäfte erfolglos. Wir werden uns also nach unserer Rückkehr darum kümmern.
Feierabend war an diesem Tag dann schon gegen 17:00h.

26. September

Abschied!


Nach dem Frühstück machten wir uns für dieses Jahr zum letzten Mal auf den Weg nach Corlata. Im Sekretariat der übergeordneten Schule in Berchisesti gaben wir bei einem kurzen Zwischenstopp Rechnungskopien unserer Einkäufe ab, damit die Gegenstände inventarisiert werden können. Außerdem konnten wir einen weiteren Gesprächstermin mit der Bürgermeisterin, ihrem Stellvertreter sowie ihrem Sekretär wahrnehmen. Nach unserem Bericht über das von uns Erreichte sprachen wir auch hier die bereits der Schulleitung vorgetragenen Punkte an: Eine schnelle Reparatur des Schornsteins sowie eine zügige Aufstellung der Warnschilder vor der Schule. Auch hier wurde uns zugesagt, dass diese Punkte bereits in Vorbereitung sind bzw. umgehend erledigt werden.
Anschließend fuhren wir weiter nach Corlata, um die Einkäufe des Vortages abzuliefern und uns in der Schule und dem Kindergarten von den Kindern und Lehrern zu verabschieden.


Nach einem schnellen Mittagessen verabschiedeten wir uns von unserem Dolmetscher Rares und machten uns um 14:00h auf den Heimweg.
Nach etwa 350km erreichten wir gegen 20:00h unser Etappenziel auf halber Strecke zwischen Baia Mare und Satu Mare.

27. – 28. September



Nach ruhiger Nacht und gestärkt von einem schnellen Frühstück ging es um 08:00h weiter, etwa 1150km in knapp 13 Stunden.
Eine weitere Übernachtung in Brandis in der Nähe von Leipzig brachte uns die nötige Erholung für das letzte Stück unserer Reise.
Weitere 500km später erreichten wir gegen 13:00h froh und erleichtert, dass auch in diesem Jahr alles glatt gegangen war, unsere Heimat.
Nachtrag:

Für die defekten Ladegeräte konnten wir bereits Ersatz beschaffen: Eines wurde von einem freundlichen Mitmenschen gespendet, ein weiteres konnten wir zu einem Sonderpreis im Fachhandel erwerben. Sie sind per Paketdienst, gesponsort von einer Firma aus Kiel, auf den Weg nach Rumänien gebracht worden. Die notwendige Reparatur des Schornsteinanschlusses konnte inzwischen durchgeführt werden.