August 2012   von Heinz Lorenzen
16. - 18. August

Am 16.08. haben meine Frau und ich uns früh am Morgen auf den ca. 2 200 km langen Weg nach Gura Humorului gemacht. Nach Zwischenstationen in St. Valentin in Österreich und Certeze bei Satu Mare in Rumänien sind wir am späten Nachmittag des 18. August in unserer Pension in Gura Humorului angekommen. Bald nach uns traf auch unsere Dolmetscherin, Simona Cimpoca aus Sibiu ein, die in diesem Jahr mit ihrem Freund Rares selbst angereist war.

19. August, Sonntag

Bei der Schule in Corlata wartete bereits der Hausmeister auf uns, der das Schul-gebäude bereits aufgeschlossen hatte. Wir staunten nicht schlecht, wie sich das Gebäude verändert hatte. Im Frühjahr war es von außen mit Wärmedämmung versehen und dann in einem hellen Braun-Ton gestrichen worden. Gemeinsam haben wir das Auto ausgeladen. Das mitgebrachte Material für Schule und Kin-dergarten brachten wir in das Lehrerzimmer, die Beutel und Kartons mit Kinderbekleidung, Stiefeln, Schuhen, Sandalen, Plüschtieren und Spielzeug in einen Klassenraum. Dort räumten wir erst einmal die Tische und Stühle um. Danach leerten wir die Beutel und sortierten die mitgebrachte Kinderbekleidung.

20. August, Montag

Frau Marcica Obada vom Sozialamt der Gemeinde in Berchisesti hatte schon in der Schule auf uns gewartet und so konnten wir gleich anfangen, die Beutel zu packen. Nach ca. vier Stunden waren wir fertig mit dem Aufteilen der Be-kleidung und der Schuhe. Für die kleinen Mädchen steckten wir Puppen mit je einer Garnitur gestrickter und genähter Bekleidung in die Beutel, für die kleinen Jungen Fahrzeuge. Das Verteilen der Beutel auf circa fünfzig Familien dauerte Dank der Ortskenntnisse von Frau Obada nur weitere drei Stunden. Unterwegs trafen wir den stellvertretenden Bürgermeister, Herrn Florin Hogea. Leider reichte die Zeit nur für ein kurzes Gespräch, bei dem wir aber nicht versäumten, unsere Freude über das Aussehen der Schule zu erwähnen. Wir erfuhren, dass die Bürgermeisterin und auch der Sekretär in Urlaub sind.

In diesem Jahr wurde unserem Verein ein gebrauchter Laptop gespendet. Unser IT-Experte hat das Gerät auf den neuesten Stand gebracht und auch die rumäni-sche Sprache installiert. Außerdem hat er eine externe Festplatte gespendet und ein Lernprogramm für 4- bis 10-jährige Kinder installiert. Am Abend habe ich Si-mona und Rares den Laptop überreicht und einige Erläuterungen dazu gege-ben. Die Beiden wollten sich mit dem Laptop vertraut machen, damit sie das Gerät den Lehrerinnen gut erklären können.

21. August, Dienstag

Wir haben uns mit den beiden Lehrerinnen und der Erzieherin in der Schule ge-troffen. Anfang Juni war das Multifunktionsgerät, das wir über das Internet in Ru-mänien bestellt hatten geliefert worden. Kopieren und Drucken funktionierten einwandfrei.

Rares hat den Dreien die Handhabung des Laptops mit dem externen Speicher und dem Lernprogramm erläutert. Da das Scannen mit dem Multifunktionsgerät nicht möglich war, hat Rares bei der Lieferfirma nach den Ursachen gefragt. Der Angestellte musste sich selbst erst einmal erkundigen. Bevor er zurückgerufen hat, funktionierte das Scannen dann doch. Fragen zum BackUp und Lernpro-gramm konnten mit einem Telefongespräch mit unserem IT-Experten geklärt wer-den.

Beim anschließenden Gespräch mit den Lehrerinnen und der Erzieherin ging es um
  • Bücher für die Schulbibliothek - Wie bereits im Vorjahr besprochen, hatten die Lehrerinnen eine Liste mit den zerlesenen Büchern, die ersetzt werden müssen, gefertigt. Wir werden gemeinsam in der Kreisstadt Suceva die zerlesenen Bücher ersetzen und zusätzliche Bücher für die Bücherei kaufen.
  • Spielothek - Die Lehrerinnen und die Erzieherin würden sich sehr über die Einrichtung einer Spielothek freuen, weil viele Kinder zu Hause keine Spiele haben. Zwei Spiele haben wir mitgebracht, weitere werden wir kaufen.
  • Bedarf für Schule und Kindergarten - Die Lehrerinnen und die Erzieherin werden heute mit uns nach Suceava zur Metro fahren und die Sachen bedarfsgerecht einkaufen. Sehr beliebt sind Puzzle. Wir werden im nächsten Jahr einige mitbringen.
  • Musikunterricht - Auf unsere Frage, ob für den Musikunterricht Instrumente benötigt würden, wusste die Musiklehrerin nicht gleich zu antworten. Sie nannte dann aber doch Xylofon, kleines Tasteninstrument und Rythmusinstrumente. Wir werden versuchen, mindestens ein Xylofon zu bekommen.
  • Sportunterricht - Wir regten an, den Sportunterricht in dem neuen Gemeindezentrum durchzuführen. Wenn die Gemeinde das erlaubt, würden wir in den nächsten Jahren Sportgeräte anschaffen. Die für Sport zuständige Lehrerin fand die Idee sehr gut. Sie würde sich bei einer befreundeten Sportlehrerin nach zweckmäßigen Geräten für die Altersgruppe der Grundschüler erkundigen. Bleibt noch das OK der Bürgermeisterin abzuwarten.
  • Hygieneunterricht - Da die meisten Kinder zuhause kein fließend Wasser und keine Spültoilette haben, wurde angeregt, die Kinder, und da insbesondere die Kindergartenkinder und Erstklässler in die Benutzung von Waschbecken und Spültoilette zu unterweisen. Auch sollen entsprechende Hinweisschilder mit bildlicher Darstellung der Vorgänge im Sanitärbereich angebracht werde.
  • Wandtafeln - Da die viele Jahre alten Tafeln in einem schlechten Zustand sind, werden wir im nächsten Jahr neue Tafeln kaufen. Ob schwarze oder grüne Tafeln angeschafft werden, wird noch mit Lehrkräften in Deutschland beraten.
Nach dem Gespräch fuhren wir alle in unsere Pension, wo wir eine Kleinigkeit gegessen haben, um dann frisch gestärkt mit unserem und mit Simonas Wagen nach Suceava zu fahren.

Zuerst haben wir in einer Buchhandlung einen Großteil der zerlesenen Bücher ersetzt (leider waren nicht alle Titel vorrätig) und die Bücherei um fünfzig zusätzliche Bücher erweitert, Bücher und Hefte gekauft, die die Lehrerinnen und die Erzieherin für Unterricht und Kindergarten für sinnvoll hielten. Auch wurden zwei Landkarten für den Schulunterricht gekauft.

Danach wurde bei der Metro bedarfsgerecht Beschäftigungsmaterial für Schule und Kindergarten gekauft.

Als wir uns auf den Rückweg machten, war es zwischenzeitlich Dunkel geworden,.

22. August, Mittwoch

Am Vormittag fuhren wir nach Corlata um den Einkauf vom Vortag zur Schule zu bringen.

Dann übergaben wir einem jungen Mann, der im September mit dem Studium der Wirtschaftswissenschaft beginnen will, eine Studienbeihilfe.

Wieder in Gura Humorului fuhren wir wegen eines Internet-Anschlusses zur Firma Novasat. Der zuständige Mitarbeiter musste erst einmal herbei telefoniert werden. Nachdem er eingetroffen war, erhielten wir ein Vertragsformular. Da der Kunde das Kabel von der letzten Anschlussstelle bis zu seinem Anschluss bezahlen muss (etwa 50 Eurocent pro Meter), wurde ein Treffen bei der Schule für den nächsten Vormittag vereinbart. Anschließend können wir entscheiden, ob wir bereit sind, die Kosten für das Kabel – die mit der ersten Monatsrechnung zu bezahlen sind - zu übernehmen und der Internet-Anschluss gelegt werden kann. Den genauen Termin sollten wir noch erfahren. Über das Treffen wurde der stellvertretende Bürgermeister, Herr Hogea, informiert. Er muss entscheiden, wo das Kabel in das Schulgebäude geleitet werden soll. Außerdem informierten wir Frau Zbarnau, eine der Lehrerinnen, damit sie uns sagt, in welchem Raum der Internet-Anschluss am sinnvollsten installiert werden soll.

Auf dem Rückweg am Vortag hatten die Lehrerinnen den Wunsch nach einem Kartenständer geäußert. So suchten wir in Gura Humorului einen Kartenständer. In einem Fotogeschäft fanden wir eine Leinwand mit einem Ständer. Auf unseren Wunsch, so einen Ständer zu kaufen, erhielten wir zur Antwort: So etwas gibt es höchstens in der Landeshauptstadt, in Bukarest.

So zogen wir unverrichteter Dinge wieder ab. Rares, der Freund unserer Dolmet-scherin, schlug vor, selbst einen Kartenständer zu bauen. Er fertigte eine Skizze an, wie er sich das vorstellte. Wir beschlossen zwei Kartenständer zu bauen – für jedes Klassenzimmer einen. Nachdem wir die Maße festgelegt hatten, fuhren wir mit einer Materialliste nach Manasterea Humorului, wo der Besitzer unserer Pen-sion wohnt. Dort betreibt er auch ein Sägewerk und eine Tischlerei. Das Holz - zugeschnitten und gehobelt – erhielten wir kostenlos mit den Worten „Holz haben wir genug“. Da haben wir uns freudig bedankt.

Zurück in der Pension haben Simona und Rares den Vertrag mit der Firma Novasat durchgelesen und mit mir besprochen. Dann habe ich den Vertrag vorbereitet und die Kundendaten in das Vertragsformular eingetragen.

23. August, Donnerstag

Bevor wir nach Corlata gefahren sind, haben wir in Gura Humorului Winkel, Schrauben und Schraubhaken für die Kartenständer gekauft.

In der Schule warteten bereits Herr Hogea, Frau Zbarnau und zwei Mitarbeiter der Internetfirma. Für das Kabel kämen Kosten von etwa 16 EURO auf uns zu. Die Firma erhielt das OK und während der Kindergartenraum für die Installation des Internetanschlusses und ein Fensterrahmen für den Zugang in das Schulgebäude festgelegt wurden, hatte bereits ein Mitarbeiter der Firma Novasat das Internetkabel vom Strommast auf der anderen Straßenseite vor der Schule an dem Stromkabel, mit dem die Schule versorgt wird über die Straße geführt. Dann wurde ein Fensterrahmen oben durchbohrt. Kabel durch – Stecker dran – in den Laptop gesteckt und schon funktionierte die Internetverbindung.

Inzwischen hatte Rares sich von der benachbarten Baustelle einen Akku-Schrauber geliehen und nach kurzer Zeit waren zwei Kartenständer fertig. Die Lehrerin war begeistert und wusste auch bereits, wofür sie die Ständer noch benutzen konnte, außer für Karten.

Danach sind wir zu der Firma Novasat nach Gura Humorului gefahren und haben den Vertrag abgeschlossen. Da der Monat nur noch wenige Tage hatte und wegen der Ferien der Anschluss nicht genutzt wurde, sind uns die Kosten für den Monat August und somit auch die Kosten für das Kabel erlassen worden.

Und schon war es später Nachmittag. Wir sind wieder nach Corlata gefahren um zwei Jugendlichen mit Ausbildungsbeihilfen den Besuch des Lyzeums für ein weiteres Jahr zu ermöglichen.

24. August, Freitag

Wir hatten uns mit den Lehrerinnen und der Erzieherin in der Schule verabredet. Dort übergaben wir den Laptop. Rares gab eine kurze Einweisung zum Internet-zugang. Frau Zbarnau hat gute Computerkenntnisse. Bei Fragen wenden sich die anderen an sie, ggf. an Simona.

Simona und Rares hatten am Vorabend Motive zum Händewaschen und zur Toilettenbenutzung aus dem Internet heruntergeladen. Jetzt wurden Ausdrucke gefertigt und in Klarsichttaschen neben dem Spiegel über dem Waschbecken und an die Wände der drei Toilettenkabinen geklebt.

Dann wurden die Bücher für die Schulbibliothek und die Spiele für die Spielothek übergeben, ebenso das Beschäftigungsmaterial für Schule und Kindergarten, das wir am Dienstag gekauft hatten oder aus Deutschland mitgebracht hatten.

Die Lehrerinnen bedankten sich herzlich, wurde ihnen die Arbeit durch das Material doch sehr erleichtert.

Wir verabschiedeten uns bis zum nächsten Jahr.

Als nächstes fuhren wir zur Gemeindeverwaltung nach Berchisesti. Herr Hogea war mit anderen Mitarbeitern der Gemeinde unterwegs um Schäden, die ein Ge-witter am Vorabend angerichtet hatte, zu begutachten. So haben wir uns an Frau Obada gewandt. Wir überreichten ihr eine Aufstellung mit den Sachen, die wir für Schule und Kindergarten übergeben hatten. Auch baten wir, in der Gemeindevertretung zu klären, ob Sportunterricht in dem neuen Gemeindezentrum in Corlata möglich ist und stellten in Aussicht, dass wir dann nach und nach Sportgeräte beschaffen würden. Wir teilten ihr mit, dass wir im nächsten Jahr die alten Tafeln in der Schule ersetzen wollen.

Dann bedankten wir uns noch einmal für Ihre Hilfe beim Verteilen der Kleider- und Spielzeugspenden, übertrugen Grüße an die Bürgermeisterin, den stellvertretenden Bürgermeister und den Sekretär und verabschiedeten uns bis zum nächsten Jahr.
25. – 27. August

Früh am Sonnabendmorgen haben meine Frau und ich uns auf die lange Heimreise gemacht. Simona und Rares wollten erst am Sonntag fahren und sich bis dahin noch einige Klöster ansehen. Am Montag sind Christel und ich dann am späten Nachmittag wohlbehalten wieder zu Hause angekommen.