Juli 2010   von Heinz Lorenzen

16. -18. Juli

Am 16.07. haben meine Frau und ich uns früh am Morgen auf den ca. 2 200 km langen Weg nach Manastirea Humor gemacht. Über die Grenzen zwischen Deutschland und Österreich sowie Österreich und Ungarn konnten wir ohne Kontrollen weiterfahren. An der Grenze zwischen Ungarn und Rumänien kontrollierten die Zollbeamten von beiden Ländern gemeinsam. Ein kurzer Blick in die Reisepässe und schon konnten wir weiterfahren. Nach Zwischenstationen in St. Valentin in Österreich und Lugasu de Jos in Rumänien haben wir am 18.Juli unsere Dolmetscherin, Simona Cimpoca aus Sibiu, in Cluj-Napoca abgeholt und sind weitergefahren nach Manastirea Humor. Unserer Unterkunft war wie im Vorjahr die Casa Buburuzan.
19. Juli, Montag

Wir machten einen erster Besuch in der Gemeindeverwaltung von Berchisesti, die auch für das Dorf Corlata zuständig ist. Da die Bürgermeisterin nicht anwesend war, hat uns der Sekretär, Herr Chilariu, begrüßt. In dem Gespräch teilten wir ihm mit, dass am Mittwoch die Möbel für die Schule geliefert würden. Auf unsere Bitte, ob uns jemand beim Ausräumen des Lehrerzimmers helfen könnte, sagte er uns zu, dass die alten Möbel ohne unsere Mithilfe aus dem Lehrerzimmer entfernt würden. Da wir die mitgebrachten Spenden in die Schule bringen wollten, haben Herr Chilariu, Frau Marcica vom Sozialamt und ein weiterer Mitarbeiter der Gemeinde uns auf der Fahrt nach Corlata begleitet. Dort haben wir die Raumpflegerin der Schule von zu Hause abgeholt, die dann die Schule aufgeschlossen hat.

Alle haben geholfen, die Kinderbekleidung, Schuhe, Spielsachen und Sachen für Kindergarten und Schule aus dem Wagen und der Dachbox auszuladen. Wie immer wunderten sie sich, wie viel wir mitgebracht hatten und wo die Sachen alle zum Vorschein kamen. Zu Fünft haben wir die Bekleidung nach Bekleidungsart auf die Schulbänke sortiert.

Auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft besuchten wir noch ein befreundetes Ehepaar.

Abends haben Simona und ich den zweiten Vorsitzenden des Vereins, Julian von Borries vom Flughafen in Suceava abgeholt. Die kleine Maschine landete planmäßig um 22.20 Uhr und so kamen wir erst kurz vor Mitternacht in unserer Unterkunft an.

20. Juli, Dienstag

Am Vormittag sind wir wieder zur Gemeindeverwaltung nach Berchisesti gefahren. Diesmal haben wir die Bürgermeisterin, Frau Taran, angetroffen. Sie hatte schon vom Sekretär erfahren, dass am nächsten Tag jeweils zwei neue Schränke für die Klassenzimmer, neue Möbel für das Lehrerzimmer und zwei Turnmatten geliefert werden sollten. Das Lehrerzimmer ist ausgeräumt worden. Leider ist der Fußboden so schadhaft, dass er erst erneuert werden muss, bevor dort Möbel aufgestellt werden können. Durch die desolate Finanzsituation des rumänischen Staates sind ihr zwar die Haushaltsmittel um die Hälfte gekürzt worden, aber irgendwie würde sie die Finanzierung zurecht bekommen. Im weiteren Verlauf des Gespräches erkundigten wir uns nach der Anzahlen der Kinder in Schule und Kindergarten im neuen Schuljahr. Auf Nachfrage bei der Schulleiterin erfuhren wir, dass für die Schule 35 Kinder und im Kindergarten 25 Kinder angemeldet sind. Wir werden uns nach Schulanfang nach den tatsächlichen Zahlen erkundigen, um gegebenenfalls noch zusätzliche Tische und Stühle zu bestellen.

Nach dem Gespräch mit Frau Taran sind wir weitergefahren nach Corlata. Dort haben wir die Eltern einer Studentin aufgesucht. Telefonisch wurde dann ein Treffen mit der Tochter für Donnerstagnachmittag verabredet. Die Tochter wohnt inzwischen in einem anderen Dorf. Da die Eltern ihre Tochter nicht mehr häufig sehen, werden wir sie zu dem Besuch mitnehmen.

Dann sind wir in die Kreisstadt Suceava zur Metro gefahren. Dort haben wir Büromaterial und einen Wasserkocher für das Lehrerzimmer gekauft. Dazu kamen noch Kopierpapier, Zeichenblöcke, weiße und farbige Kreide, Bälle und Gymnastikreifen.

21. Juli, Mittwoch

Nach dem Frühstück fuhren wir zur Schule in Corlata, weil morgens die Möbel geliefert wurden. Jeweils zwei neue Schränke haben wir in die Klassenräume gestellt. Die alten Möbel waren aus dem Lehrerzimmer ausgeräumt worden. Da der Fußboden erneuert werden musste, haben wir die neuen Möbel erst einmal auf dem Flur zwischengelagert. Die beiden blauen Turnmatten wurden in einen Klassenraum gelegt.

Mehrere Sozialhilfeempfänger waren dabei, den alten Holzfußboden, auf dem schon unser Gründungsmitglied Johanna Jessen vor 80 Jahren gegangen war, zu entfernen.

Auf dem Weg nach Corlata hatten wir Frau Marcica vom Sozialamt bei der Gemeindeverwaltung in Berchisesti abgeholt. Zusammen mit der Raumpflegerin der Schule und der Dolmetscherin haben wir die mitgebrachte Kinderbekleidung, Schuhe, Plüschtiere und Spielzeug auf ca. 70 Beutel aufgeteilt. Frau Marcica hatte die Namen der Familien und die Anzahl der Jungen und Mädchen mit Lebensalter auf die Beutel geschrieben, sodass wir die Bekleidungsstücke einigermaßen in den entsprechenden Größen zuteilen konnten. Einige Kinder konnten selbst die Kleidungsstücke aussuchen und die Schuhe, Stiefel oder Sandalen anprobieren. Während der vier Stunden dauernden Prozedur kam Frau Taran vorbei um nach den Arbeiten im Lehrerzimmer zu sehen. Bei der Gelegenheit schaute sie auch bei uns rein und staunte über die Menge, die wir in unserem Auto mitgebracht hatten. Nachdem die Beutel fertig geschnürt waren, haben wir sie zu den Familien gebracht, wozu wir weitere vier Stunden benötigten.

Ziemlich ermüdet, aber doch glücklich, dass wir so viel Freude bereiten konnten und auch so viel Dankbarkeit erfahren haben, fuhren wir danach in unsere Unterkunft.

22. Juli, Donnerstag

Wie am Dienstag verabredet, haben wir die Mutter einer Studentin, die wir mehrere Jahre mit Studienbeihilfen unterstützt hatten, in Corlata abgeholt und sind in das Dorf gefahren, in dem die Tochter wohnt. Der Vater wollte jetzt doch nicht mitfahren. Die Studentin und ihre Familie waren wohlauf. Leider hatte sie eine Prüfung für den Master versäumt, weil die Tochter zu dem Prüfungstermin krank war und sie dadurch verhindert war. Aber sie wollte die Prüfung in diesem Jahr nachholen. Zum Nachweis, dass sie das Geld für den vorgesehenen Zweck verwendet hatte, gab sie uns die Empfangsbescheinigungen der Universität Suceava.

Nachdem wir die Mutter wieder nach Hause gebracht hatten, haben wir zwei Familien in Corlata Ausbildungsbeihilfen übergeben. In beiden Familien (Sozialhilfeempfänger) wollte ein Kind das Lyzeum (Fachgymnasium) besuchen. Das eine Kind musste im Internat in Suceava untergebracht werden, die andere Familie konnte ohne unsere Hilfe die Fahrkosten nach Gura Humorului nicht aufbringen.

23. Juli, Freitag

Bereits um fünf Uhr früh haben Simona, Julian und ich uns auf den Weg zum Flughafen von Suceava gemacht. Um 06.20 startete schon das Flugzeug, mit dem Julian den Heimweg antrat. Nach Zwischenstationen in Bukarest und Wien mit jeweiligem Umsteigen traf er abends in Hamburg ein, von wo er dann mit dem Auto nach Hause fuhr.

Simona, meine Frau und ich machten uns nach dem Frühstück noch einmal auf nach Berchisesti und Corlata. In der Gemeindeverwaltung in Berchisesti trafen wir wieder weder die Bürgermeisterin noch den Sekretär an. So baten wir Frau Marcica, von unseren Rechnungen und Quittungen der Studiengebühr Kopien zu fertigen. Dann überreichten wir ihr Listen der von uns gespendeten Gegenstände für Schule und Kindergarten, sowie die Kopien der Rechnungen. Außerdem übergaben wir ihr eine Grundriss-Zeichnung des Lehrerzimmers, auf dem wir eingezeichnet hatten, wie wir uns die Aufstellung der Möbel vorgestellt hatten. Falls die Lehrkräfte eine andere Aufstellung für sinnvoller halten, können sie natürlich davon abweichen. Anschließend erkundigten wir uns bei ihr, ob es für Sozial¬hilfe¬empfänger, deren Kinder aufs Lyzeum gehen, Zuschüsse zum Internat oder zu Fahrkosten gibt. Wir erfuhren, dass es zwar keine Zuschüsse gibt, dass aber die Kosten für das Internat für Kinder von Sozialhilfeempfängern geringer sind. Bei der Anmeldung müsste auf diesen Umstand hinweisen werden.

Danach bedankten wir uns noch einmal für ihre Hilfe und verabschiedeten uns bis zum nächsten Jahr.

In Corlata haben wir zunächst die Großmutter des künftigen Internatsbesuchers darüber informiert, was wir gerade von Frau Marcica erfahren hatten.

Als nächstes brachten wir die Quittungen der Studiengebühren der Mutter der Studentin zurück.

Weiter ging unsere Fahrt zu Frau Cioltan. Die bisherige Lehrerin in Corlata war im Juni zum Schuljahresschluss in den Ruhestand gegangen und freute sich darauf, diesen zu genießen.

Nach einem kurzen Besuch eines Ehepaares, deren Tochter wir vor einigen Jahren mit einer Studienbeihilfe unterstützt haben, verabschiedeten wir uns für dieses Jahr aus Corlata und fuhren in unsere Unterkunft.
24. – 26. Juli

Nach einem kurzen Frühstück (die Köchin hatte uns ein Frühstück bereitgestellt und auch ein Lunchpaket für die Fahrt vorbereitet) machten wir uns auf den Heimweg. In Cluj verabschiedeten wir uns mit einem herzlichen Dankeschön für ihre Begleitung als Dolmetscherin von Simona.

Nach Zwischenstationen in Sacadat in Rumänien und St. Valentin in Österreich kamen wir, müde von der anstrengenden Reise, am 26. Juli abends wieder zu Hause an. Wir waren glücklich darüber, dass wir zum Einen die 5071 km lange Fahrt wieder ohne Probleme und Pannen überstanden hatten und zum Anderen unsere Projekte ohne Probleme durchführen konnten.

Nachtrag

Im Dezember wurden weitere 6 Schultische und 12 Stühle in der Schule angeliefert, nachdem wir die aktuelle Schülerzahl erhalten hatten.