September 2009   von Heinz Lorenzen

27.08. – 29.08.2009

Am 27.08. haben meine Frau und ich uns früh am Morgen auf den ca. 2 200 km langen Weg nach Manastirea Humor gemacht. Über die Grenzen zwischen Deutschland und Österreich sowie Österreich und Ungarn konnten wir ohne Kontrollen weiterfahren. An der Grenze zwischen Ungarn und Rumänien kontrollierten die Zollbeamten von beiden Ländern gemeinsam. Ein kurzer Blick in die Reisepässe und schon konnten wir weiterfahren. Nach Zwischenstationen in St. Valentin in Österreich und Baile Felix in Rumänien haben wir am 29.08. unsere Dolmetscherin, Simona Cimpoca aus Sibiu, in Cluj-Napoca abgeholt und sind weitergefahren nach Manastirea Humor. Unserer Unterkunft war wie im Vorjahr die Casa Buburuzan. Auch wenn gegenüber dem Vorjahr weitere Straßenabschnitte fertig waren, kamen wir doch erst gegen 18.00 Uhr an.
30. August 2009

Für jedes Kind in Schule und Kindergarten wurde ein Beutel mit Bekleidung, Plüschtieren und Süßigkeiten gepackt.

31. August 2009

Unsere erste Fahrt nach Corlata in diesem Jahr. Arbeiter waren dabei, das alte Dach der Schule abzutragen, da die Schule ein neues Dach bekommt. Außerdem waren mehrere Sozialhilfeempfängerinnen dabei, die Klassenräume neu zu streichen. Da für den nächsten Tag die neuen Schulmöbel angekündigt waren, haben der Hausmeister, einige der Frauen und ich die alten Schulbänke aus einem Klassenraum entfernt.

Am Nachmittag sind wir in die Kreisstadt Suceava zur Metro gefahren. Wir legten Kunststoffbehälter unterschiedlicher Größe für das Spielzeug und Beschäfti-gungsmaterial des Kindergartens in den Einkaufswagen. Dazu kamen noch Krepppapier, Kopierpapier, Zeichenblöcke, eine XXL-Packung Duplo, zwei Fuß-bälle, eine Ballpumpe und Plastikbälle in mehreren Größen.

01. September 2009

Beim Frühstück erhielten wir einen Anruf vom Fahrer des Möbeltransports. Er hatte Corlata bereits in der Nacht erreicht und wartete auf uns. Also sind wir gleich nach dem Frühstück nach Corlata gefahren.
Herr Hogea vom Gemeinderat, der Hausmeister, einige Frauen, die dabei waren, einen Klassenraum neu zu streichen, und ich haben die neuen Tische, Stühle und Katheder, die der Fahrer uns vom Lkw zureichte, in ein Klassenzimmer getragen. Das helle Blau der Arbeitsplatten von den Tischen und Katheder, das helle Holz der Sitzflächen und Stuhllehnen der Schülerstühle auf orange lackierten Stahlbeinen bringt Farbe in die Klassenräume und das ergonomische Design schont die Rücken der Schüler und Lehrer. Alle Helfer fanden unsere Wahl gut. Herr Hogea bedauerte, dass er nicht mehr zur Schule gehe. Auch dass wir Tische und Stühle in zwei unterschiedlichen Größen bestellt hatten, fand Anerkennung.

Danach haben der Hausmeister und ich einen wunderschönen Quilt im Kindergarten an einer Wand befestigt. Den Quilt haben Teilnehmerinnen des Kurses „Textiles Gestalten“ an der Seniorenakademie Lübeck in ungezählten Arbeitsstunden mit viel Phantasie und Kreativität genäht. Das „Haus der Kinder“ wurde von allen bestaunt und bringt Farbe und Leben in den Raum.

Inzwischen war die Bürgermeisterin, Frau Taran, gekommen. Wir haben ihr den Quilt und die neuen Schulmöbel übergeben. Frau Taran hat den Quilt sehr be-staunt und sich die Herstellung erklären lassen. Auch über die neuen Schulmöbel hat sie sich sehr gefreut und sich für Quilt und Möbel herzlich bedankt.
Frau Taran erzählte uns, dass zur Zeit das Dach der Schule erneuert würde. An-schließend sollen auch noch die Fußböden der Räume sowie die Elektroinstallation in Schule und Kindergarten erneuert werden. Frau Taran fragte uns, ob wir neue Lampen finanzieren könnten. Das haben wir für das nächste Jahr zugesagt, wenn die Erneuerung der Elektroinstallation erfolgt ist. Wir haben erzählt, dass wir auch neue Schränke für die Klassenräume bestellen werden. Auch wollen wir das Lehrerzimmer neu möblieren.
Nach dem Gespräch haben wir uns verabschiedet und sind zu Victoria und Vasile Pomohaci zum Essen gefahren. Leider sind wir nach dem ereignisreichen Vormittag mit Verspätung zu unserer Einladung gekommen.

Da meine Frau gesundheitliche Probleme bekam, sind wir danach zu unserer Pension gefahren.

02. September 2009

Wir haben Frau Marcica vom Sozialamt der Gemeinde abgeholt. Im Kindergarten in Corlata haben wir mit Ihrer Hilfe weitere Bekleidung ab Babygröße sowie Schuhe und Stiefel auf dreißig Beutel aufgeteilt und dann an die sozial bedürftigsten Familien verteilt. Dabei sind wir wirklich auf die Hilfe von Frau Marcica angewiesen. Sie kennt die Familien, weiß wie viele Kinder in den Familien leben und wie groß die Kinder sind.
Danach suchten wir eine Familie auf, deren Tochter wir mit einer Studienbeihilfe unterstützen. Da die Tochter nicht zu Hause war, verabredeten wir ein Treffen für Freitag.

03. September 2009

Am Vormittag holten wir die Lehrerin, Frau Cioltan, von zu Hause ab und fuhren in die Schule. Im Lehrerzimmer überreichten wir ihr Unterrichts- und Beschäftigungs¬material: Zeichen¬blöcke, weißes und farbiges Kopierpapier, Bastelpapier, Fasermaler, Knetmasse, Plastikbälle, zwei Fußbälle und einen Basketball. Auch Frau Cioltan war ganz begeistert von den neuen Möbeln und dem Quilt im Kindergarten.
Nachdem wir Frau Cioltan wieder nach Hause gebracht hatten, besuchten wir den Pfarrer. Wir trafen ihn und die ganze Familie mit weiteren Helfern bei der Kartoffelernte auf dem Feld. Da wollten wir ihn natürlich nicht lange von der Arbeit fern halten. In dem kurzen Gespräch erfuhren wir, dass er sich 10 km von Suceava ein Haus gekauft hatte, aber weiter Pfarrer in Corlata bleibt. Auch wird er weiter in den Schulen in Corlata und Berchisesti Theologie unterrichten.
Danach besuchten wir noch die Familie Coglici (die Enkel der früheren Nachbarn der Vereinsmitbegründerin Johanna Jessen) überbrachten Grüße und erkundigten uns danach, wie es ihnen in den letzten zwölf Monaten ergangen war.

04. September 2009

In Berchisesti trafen wir uns mit Frau Taran, händigten die Listen der übergebenen Sachen für Schule und Kindergarten aus und stimmten noch einmal unsere Vorhaben für das nächste Jahr ab. Frau Taran wird uns Kostenvoranschläge für neue Lampen für das Schulgebäude zusenden, wenn die Elektroinstallation erneuert wird. Nachdem wir uns bis zum nächsten Jahr verabschiedet hatten, suchten wir die Ärztin auf.
Leider hatten wir dieses Jahr keine Medikamentenspenden erhalten und kamen deshalb mit leeren Händen. Für die Kindergartenkinder waren noch ausreichend Mineralstoffe zur Ausgabe während der Wintermonate vorhanden.
Dann fuhren wir noch einmal nach Corlata. Zunächst zu Frau Cioltan, der Lehre-rin, die uns zu sich nach Hause eingeladen hatte. Sie bewirtete uns mit aufgerollten Pfannkuchen. Einige waren mit Käse, andere mit Blaubeerenkonfitüre gefüllt. Die Pfannkuchen haben lecker geschmeckt. Frau Cioltan bedankte sich nochmals für die schönen neuen Schulmöbel. Sie sagte: „Die Schule wird immer schöner und ich bin nur noch ein Jahr hier. Dann gehe ich in Rente.“ Ihr Mann war gerade an dem Vormittag bei der Gemeinde um seine Rente einzureichen. So werden wir im nächsten Jahr neue Lehrkräfte vorfinden. Zum Abschied erhielten wir eine Tüte Wallnüsse vom Vorjahr aus Corlata.
Danach besuchten wir wieder die Eltern der Studentin. Die Tochter war mit ihrem Ehemann gekommen und hatte zu unserer großen Überraschung ihre 5 Monate alte Tochter dabei. Wir erhielten eine Kopie der Studienbescheinigung für das abgelaufene Studienjahr. Da sie trotz der Belastung als junge Mutter das Jahr erfolgreich absolviert hatte, haben wir sie auch für das zweite „Masterjahr“ unterstützt. Sie hat sich riesig gefreut, als wir ihr unsere weitere Unterstützung zusagten. Sie wird ihr Studium fortsetzen und ihre Masterjahre zu Ende machen.
Zum letzten Mal in diesem Jahr fuhren wir zur Schule. Dort haben wir den Grundriss des Lehrerzimmers ausgemessen, als Grundlage für die Möbelbestellung.
Bevor wir Corlata für dieses Jahr verließen, besuchten wir noch einmal Frau Pomohaci und bedankten uns für die tolle Bewirtung am Dienstag.
Die Eltern einer Studentin, die wir vor einigen Jahren unterstützt haben, unterbrachen ihre Gartenarbeit, als sie uns sahen. Der Tochter geht es gut, sie unterrichtet an einem Gymnasium in Cluj-Napoca. Sie selbst sind aber nicht gesund. Deshalb bauen sie weniger auf ihren Feldern an. Außerdem haben sie das Pferd verkauft und erledigen die Arbeiten mit dem Traktor. Wir verabschiedeten uns bis zum nächsten Jahr. Ohne einige Birnen und Pflaumen als Reiseproviant kamen wir aber nicht vom Hof.
05. – 07.09.2009

Nach einem frühen Frühstück (die Köchin hatte uns ein Frühstück bereitgestellt und auch ein Lunchpaket für die Fahrt vorbereitet), verabschiedeten wir uns mit einem herzlichen Dankeschön für ihre Begleitung von unserer Dolmetscherin, und machten uns auf den Heimweg. Simona´s Familie und ihr Freund wollten kommen und das Wochenende mit ihr in der Bucovina verbringen.
Am Ende unserer ersten Rast, die wir beim Hotel Dracula in Piatra Fantanele machten, hielt dort auch die Familie zum Rasten. Nach einer herzlichen Begrü-ßung (der Bruder hatte uns vor Simona einige Jahre als Dolmetscher begleitet und die Eltern kannten wir von einem Besuch in Sibiu) setzten wir unsere Heimreise fort.
Müde von der anstrengenden Reise, aber doch froh über das Erreichte, kamen wir am 07.09. abends wieder zu Hause an.