September 2006   von Julian von Borries
21.09. - 23.09.2006
Zu fünft machten wir uns bei dieser Reise auf den Weg: Christel und Heinz Lorenzen aus Lohe-Rickelshof, Sieglinde und Hans-Peter Ellner aus Kasendorf und Julian von Borries aus Brokstedt. Zwei Autos hatten wir unter Ausnutzung auch der letzten Winkel mit Spenden wie Kinderkleidung, Medikamenten, Spielzeug und Kreativmaterial für den Kindergarten beladen. Wie bereits bei den letzten Reisen stieg unsere Dolmetscherin wieder in Cluj zu. Diesmal begleitete uns Simona Cimpoca aus Sibiu. Sie wurde in den ersten Tagen von ihrem Bruder Dan unterstützt, der leider für die gesamte Zeit keinen Urlaub bekam.

Unterkunft fanden wir wieder bei Doina und Gica Boca in Vama, die uns herzlich willkommen hießen – es war fast wie eine Rückkehr nach Hause.
24.09.2006
Den ersten Tag vor Ort nutzten wir, um die Autos zu entladen. Anschließend wurden die Spenden sortiert und auf 76 Päckchen für die Schul- und Kindergartenkinder von Corlata verteilt.
Dank der großzügigen Spenden konnten wir nicht nur Kleidung und Stiefel in die Päckchen packen, sondern auch Kuscheltiere, Spielzeug (z.B. Puppen mit Wechselkleidung für die Mädchen und Autos für die Jungs) und einige Süßigkeiten.
25.09.2006
Am Vormittag fuhren wir nach Corlata, um die am Vortag gepackten Päckchen an die Kinder zu übergeben. Wieder wurden wir mit großer Freude und Herzlichkeit empfangen. Außerdem überreichten wir der vierten Klasse ein großes Paket mit Geschenken, Briefen und Bildern der Partnerklasse aus Brokstedt.

Anschließend besprachen wir – wie schon bei den vorherigen Reisen – den aktuellen Bedarf der Schule: Benötigt wurden neben Schreib- und Malzeug einige Spiele für die Spielothek, denn natürlich gehen im Laufe der Zeit Spiele kaputt oder es fehlen einige Teile. Weiterhin wurden ein Regal für Spielzeug im Kindergarten sowie ein Stahlschrank für die Lagerung von Lebensmitteln für die Schulspeisung benötigt, da immer wieder Mäuse ihren Weg in die Schule finden und die vorhandenen alten Holzschränke schief und löchrig sind. Einen Wunsch nach neuen Lerntafeln für Zahlen und Buchstaben konnten wir leider nicht erfüllen, da sich später herausstellte, dass diese Lerntafeln zur Zeit nicht lieferbar sind.

Anschließend besichtigten wir den Sanitärbereich, der seit Schulbeginn am 15.09. in Betrieb war: Das neue Fenster war inzwischen eingebaut worden, so dass auch die Fliesenarbeiten abgeschlossen werden konnten. Auch Waschbecken, Handtuchhalter und Spiegel waren montiert, der Warmwasserboiler stand an Ort und Stelle. Der Sanitärbereich war also bereits benutzbar, auch wenn noch einiges auf seine Fertigstellung wartete: Eine Abdeckung für das Hauswasserwerk war noch nicht montiert, der gesamte Raum noch nicht gestrichen und – größter Wermutstropfen – der Schornstein war noch nicht fertig. Es war ein Problem aufgetreten, das unser Handwerker nicht zu lösen vermochte: Ein tragender Deckenbalken verlief genau über dem halbfertigen Schornstein.

Nachmittags machten wir einen kurzen Besuch in der Gemeindeverwaltung in Berchisesti, um für den folgenden Tag einen Termin mit der Bürgermeisterin Frau Taran zu vereinbaren. Außerdem bestellten wir in der Apotheke in Vama den Winterbedarf des Vitamin-Kombipräparates, das nach Anweisung der zuständigen Ärztin Dr. Melinte aus Berchisesti an die Kinder ausgegeben wird.
26.09.2006
Bereits am Morgen konnten wir das bestellte Vitamin-Kombipräparat in der Apotheke in Vama abholen. Auf dem Weg zum Bürgermeisteramt in Berchisesti besuchten wir noch kurz Dr. Melinte, um ihr die von drei Ärzten gespendeten Medikament zu übergeben und sie darüber zu informieren, dass wieder einen ausreichender Vorrat des Kombipräparates zur Verordnung zur Verfügung stand.

Um zehn Uhr fanden wir uns zum Gespräch mit Frau Taran in der Gemeindeverwaltung ein. Zur Begrüßung dankte uns Frau Taran im Namen der Gemeinde für unsere Aktivitäten. Besonders der neue Sanitärbereich habe die Situation in der Schule erheblich verbessert. Die Probleme mit dem Schornstein waren auch Frau Taran zu Ohren gekommen, die – um keine Zeit zu verlieren und die Fertigstellung des Sanitärbereiches noch vor dem Winter sicherzustellen – bereits einen Handwerker beauftragt hatte, den Schornstein fachgerecht zu beenden und den gesamten Sanitärbereich zu streichen. Diese Arbeiten werden bis Ende Oktober abgeschlossen sein. Weiterhin konnte uns Frau Taran mitteilen, dass es der Gemeinde gelungen war, die Finanzierung neuer Fenster und Türen (dem aktuellen Standard entsprechend mit Isolierverglasung) auf die Jahre 2006 und 2007 zu verteilen. Glücklicherweise erklärte sich die Fensterbaufirma bereit, die Fenster und Türen bereits im Oktober 2006 zu montieren und die Restzahlung erst im Januar 2007 zu erhalten. Ein erstes Angebot für den Einbau einer Zentralheizung lag bereits vor, erschien aber Frau Taran und uns etwas überhöht. Auf Empfehlung werden wir von der Firma Romstal in Gura Humorului ein weiteres Angebot einholen. Erfolgreich konnten wir den Wunsch für einen Stahlschrank für die Lebensmittel äußern: Die Schuldirektorin von Berchisesti, Frau Rosu, wird diesen aus ihrem Einrichtungs-Budget finanzieren und kurzfristig bereitstellen.

Anschließend fuhren wir weiter nach Corlata, wo wir der Schule und dem Kindergarten die folgenden aus Deutschland mitgebrachten Artikel überreichen konnten: 50 Tuschkästen, 20 Pinsel-Sets, 60 Packungen Buntstifte, Papier, Bastelscheren, 10 kg Knetmasse, einige Gymnastikreifen sowie zwei Basketballkörbe, die nach Vereinbarung mit den Lehrern baldmöglichst aufgebaut werden sollen. Weiterhin erhielt der Kindergarten zwei Rollbehälter aus Kunststoff zur Lagerung von Spielzeug.

Außerdem überbrachten wir der Rumänisch-Orthodoxen Kirchengemeinde sowie der Neuapostolischen Kirchengemeinde gespendete Babykleidung und Babyspielzeug zur Weitergabe an besonders Bedürftige.

In Gesprächen mit Dr. Melinte, dem Popen und einem Mitglied der neuapostolischen Gemeinde erfuhren wir von dem schweren Schicksal einer jungen Familie. Ihr Sohn, ein Säugling von acht Monaten, war im Januar mit einer Kiefer-Fehlbildung (einem sogenannten Wolfsrachen) zur Welt gekommen. Die erste Operation zur Modellierung des äußeren Lippen-Nasenbereichs ist bereits im Juli erfolgt und wurde von der Krankenversicherung bezahlt. Im Januar 2007 ist jedoch eine weiter Operation notwendig, während derer der Kiefer-Gaumenbereich geschlossen werden soll – diese Operation ist unbedingt notwendig, damit der Junge jemals normal sprechen und essen lernen kann. Leider hat die Krankenversicherung die Finanzierung dieser Operation abgelehnt, da es sich ihrer Ansicht nach um eine kosmetische Operation handelt. Allerdings hat sich die Krankenversicherung bereit erklärt, zumindest die Unterbringungskosten im Krankenhaus in Bukarest zu übernehmen. Nach einem ausführlichen Gespräch mit der Mutter des Jungen haben wir etwa die Hälfte der Kosten für die Operation übernommen.

Außerdem besuchten wir die Studentin Daniela, die bereits mit sehr guten Ergebnissen den Bachelor-Titel erreicht hat. Sie wird noch ein weiteres Jahr studieren, um ihr Studium mit dem Master-Titel abzuschließen. Daher erhielt sie erneut eine Studienbeihilfe.

Zum Abschluss des Tages suchten wir die Firma Romstal in Gura Humorului auf, um ein Angebot für den Einbau der Zentralheizung zu erhalten. Der Besuch eines Technikers der Firma zur Ortsbesichtigung in der Schule von Corlata wurde für den folgenden Tag vereinbart.
27.09.2006
Dieser Tag führte uns in die Kreisstadt Suceava, die etwa ein Autostunde von Corlata entfernt ist. Nach einem Abstecher in den Baumarkt Dedemann, wo wir einige Teile für die notwendigen Kleinreparaturen im Sanitärbereich kauften, stürzten wir uns in das Getümmel bei der Metro. Dort erstanden wir einige Spiele für die Spielothek (als Ersatz für unvollständige oder kaputte Spiele), zwei Basketbälle, 100 kleine und vier große Bälle für den Kindergarten, drei Eimer für das Toilettenpapier, dazugehörige Müllbeutel, drei Toilettenbürsten und das gewünschte Regal für das Spielzeug im Kindergarten.

Am Nachmittag, zurück in Vama, aktualisierten wir die Inventarliste der Schule und des Kindergartens und stellten für die Kindergartenkinder Beutel mit Spielzeug und Puppen (liebevoll von Spendern aus Deutschland mit Wechselkleidung bestrickt und benäht) zusammen.

Nach dem Abendessen setzten wir uns mit Doina un Gica Boca zusammen, um die letzen Abrechungen für den Neubau des Sanitärbereiches durchzusprechen.

28.09.2006
Am Donnerstag fuhren wir erneut nach Corlata, um die Einkäufe vom Vortag abzuliefern. Auch die Beutel mit Spielzeug und Puppen für die Kindergartenkinder überreichten wir an diesem Tag – und ernteten strahlende Augen aus lachenden Kindergesichtern.

Anschließend führten wir die notwendigen Kleinreparaturen im Sanitärbereich durch – es war weniger zu tun als gedacht, denn es hatte sich unter den Schuleltern bereits ein Heinzelmännchen gefunden, das bereits einen defekten Spülkasten instandgesetzt hatte. So mussten wir uns nur noch um einen defekten Türgriff und die Verlängerung der Zugseile der Spülkästen kümmern.

Außerdem bauten wir im Kindergarten das Regal auf.

Anschließend besuchten wir die beiden Theologie-Studenten, die von uns auch für die kommenden beiden Semester eine Studienbeihilfe erhielten.

Am Nachmittag trafen wir im Gemeindehaus von Corlata ein. Die Bürgermeisterin Frau Taran hatte zu einer kleinen Vorführung der Volkstanzgruppe aus Corlata geladen. Anschließend verbrachten wir einige fröhliche Stunden mit Frau Taran, ihrem Sekretär, dem Elternvertreter Herrn Hogea, den Mitgliedern der Tanzgruppe sowie einer Gruppe von Schulkindern und ihren Eltern. Es wurde ausgelassen getanzt und gefeiert und unsere Dolmetscherin Simona musste regelmäßig vier bis fünf Gespräche gleichzeitig übersetzen.

Erst nach Anbruch der Dunkelheit machten wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft in Vama.

29.09.-02.10.2006
Schon wieder war die Woche wie im Fluge vergangen. Der Tag der Abreise für Sieglinde und Hans-Peter sowie für Julian war gekommen.

Christel und Heinz nutzten den letzten Tag vor ihrer Abreise, um noch einmal die Firma Romstal in Gura Humorului aufzusuchen und das in der Zwischenzeit erstellte Angebot für die Zentralheizung zu besprechen. Als Ergebnis ist festzustellen, dass einem Einbau der Heizung nichts im Wege steht, es sind allerdings noch einige Details zu klären. So dürfen zum Beispiel nach neuem rumänischem Baurecht unter Klassenräumen keine Feuerungsanlagen betrieben werden. In unserem Fall bedeutet das, dass der Heizkessel wahrscheinlich nicht, wie geplant, im Keller aufgestellt werden kann. Alternative Standorte stehen zur Verfügung, es muss nur der am besten geeignete gefunden werden.
Außerdem machten sie einen letzen Besuch in Corlata, um die Kopie der Studienbescheinigung einer Studentin abzuholen und sich im Kindergarten und in der Schule bis zum nächsten Jahr zu verabschieden.