Juni 2006   von Heinz Lorenzen
Am 09.06. um 07.30 Uhr haben Christel und ich uns auf den Weg nach Corlata gemacht. Zweck unserer Fahrt, diesmal im Juni, war die Abnahme des Baus des Sanitärbereichs. Auch wollten wir neue Projekte abklären und eventuell bereits anstoßen. Wieder hatten wir jeden Winkel unseres Zafira´s mit gespendeter Kinderbekleidung, -schuhen und Plüschtieren ausgefüllt. Unsere Reise endete am ersten Tag bereits nach 675 km bei Hans-Peter und Sieglinde Ellner in Krumme Fohre. Die beiden sind Mitglieder im Verein.

Gemeinsam setzten wir die Reise am nächsten Morgen um 04.20 Uhr fort, jetzt mit zwei Autos. Nach 14 Stunden anstrengender Fahrt durch Deutschland, Österreich und Ungarn - bei überwiegend regnerischem Wetter – erreichten wir Baile Felix in Rumänien, wo wir in einem Hotel übernachteten.

Für die verbleibenden 420 km bis zu unserer Unterkunft in Vama haben wir am nächsten Tag weitere 9 Stunden benötigt. Vor allem die letzten 150 km ab Bistrita waren die Straßen sehr schlecht. Überall wurde an der Beseitigung der Straßenschäden nach dem Hochwasser im vorigen Sommer gearbeitet. Dadurch gab es viele ampelgeregelte Baustellen oder einseitige Straßenführungen.
In Cluj konnten wir unsere Dolmetscherin, Ioana Hogea, begrüßen. Ioana hatte sich eine Woche Urlaub genommen, um uns zu begleiten.

In der Pension Casa Boca wurden wir von Gica und Doina Boca begrüßt. Die beiden waren selbst erst eine halbe Stunde zuvor aus Frankreich zurückgekommen.

Den größten Teil der mitgebrachten Spenden haben wir am Montag auf 65 Beutel aufgeteilt, für jedes Kind in der Schule und im Kindergarten mehrere T-Shirts, kurze Hosen bzw. Kleider oder Röcke, Strümpfe, Unterwäsche, ein Paar Sandalen, ein Paar Stoffschuhe, zwei Plüschtiere und einige Süßigkeiten. Nach getaner Arbeit haben wir uns die restliche Zeit des Tages von der anstrengenden Fahrt erholt.
Dienstag fuhren wir nach Corlata. Da wir nicht angekündigt waren, war die Überraschung groß und die Freude vor allem bei den Kindern riesig. Große Augen gab es wieder beim Verteilen der Spendenbeutel.

Bei den Gesprächen mit den Lehrkräften und der Kindergärtnerin nach Schulschluss haben wir auch den Bedarf für das nächste Schuljahr erfragt. Es fehlen Kopierpapier, Bälle, Knetmasse, Buntstifte. In der von uns eingerichteten Spielothek sind fast alle Spiele unvollständig oder entzwei. Als größten Wunsch nannte die Lehrerin Frau Cioltan eine Heizungsanlage, da die Kinder und auch die Lehrer im letzten Winter sehr gefroren hatten. Es hatte zwar nicht viel Schnee gegeben, war aber lange sehr kalt. Für den nächsten Tag vereinbarten wir telefonisch ein Gespräch mit der Bürgermeisterin.
Große Enttäuschung: Der Sanitärbereich war entgegen einer Nachricht aus dem November nicht fertig. Das alte Fenster war noch nicht ausgebaut und das neue Fenster nicht eingesetzt worden. Dadurch waren die Fliesenarbeiten im Fensterbereich ausgespart. Der Schornstein reichte nicht ganz bis zur Zimmerdecke. Der Ofen mit dem Warmwasserboiler war deshalb noch nicht aufgestellt. Waschbecken, Spiegel, Handtuchhalter waren nicht montiert, usw.

Dann fuhren wir zum Pfarrer der rumänisch orthodoxen Kirchengemeinde und zu Frau Pomohaci, die Mitglied in der apostolischen Kirchengemeinde ist und überbrachten jeweils einige Beutel und Kartons mit Bekleidung, die beide an ärmere Dorfbewohner weitergeben werden. Anschließend suchten wir Herrn Hogea auf, ein Mitglied des Gemeinderates. Von ihm erfuhren wir, das die Außenarbeiten für den Toilettenbau im Herbst durch das früh einsetzende Winterwetter unterbrochen worden waren. Jetzt waren die Arbeiten noch nicht fertig, weil wir erst im September erwartet wurden. Die Gemeinde hatte die knappen Haushaltsmittel deshalb erst mal anderweitig verwendet. Bis zum Freitag war das Material aber besorgt und die Arbeiten sollten in der folgenden Woche weitergeführt werden. Hans-Peter und Sieglinde Ellner hatten einen gespendeten Rollstuhl mitgebracht und übergaben diesen einer alten gehbehinderten Frau. Die Freude bei ihr und der ganzen Familie war riesig. Einen Leib Käse und drei Flaschen selbstgebrannten Schnaps als Gegengeschenk konnten Hans-Peter und Sieglinde schwerlich ablehnen, obwohl beide keinen Alkohol trinken.

Am 14. trafen wir um 10.00 Uhr in der Gemeindeverwaltung in Berchisesti zum Gespräch mit Frau Taran, der Bürgermeisterin, ein. Diese bat auch Frau Rosu, die Schuldirektorin von Berchisesti dazu. Eine Schuldirektorin ist für mindestens 200 Kinder verantwortlich. Da in die Grundschule von Corlata nur etwa 40 Kinder gehen, ist die Schule jetzt der Schule in Berchisesti angegliedert.

Sowohl Frau Taran als auch Frau Rosu halten den Einbau einer Heizung in die Schule für dringend erforderlich. Nur fehlt in absehbarer Zeit das Geld dafür. Nach Einschätzung der beiden wären für den Einbau einer Heizung finanzielle Aufwendungen von ca. 5.000 € erforderlich. Daraufhin erklärten wir, dass wir die Summe bis zum nächsten Jahr aufbringen könnten. Nach unserem Einwand, dass es aber wenig Sinn mache, eine Heizung einzubauen, wenn die Wärme gleich wieder durch die alten defekten Fenster entweichen würde, wird Frau Rosu in den Haushalt für 2007 den Einbau neuer Fenster einplanen. Die Damen waren sehr optimistisch, eine Firma zu finden, die die Fenster bereits dieses Jahr einbaut und erst nächstes Jahr in Rechnung stellt. Wir werden die Heizung erst einbauen lassen, wenn neue Fenster eingebaut sind. Bis zu unserem nächsten Besuch im September wird die Gemeinde Angebote für den Heizungsbau einholen.

Als weiteren Bedarf für den Kindergarten nannte Frau Rosu Regale, Knetmasse und Duplo (Lego). Nach dem Gespräch fuhren wir in die Kreisstadt Suceava und kauften Bastelscheren, Buntpapier, Buntstifte, Papier, Duplo und Bälle für Schule und Kindergarten.

Für Donnerstag, dem 15. Juni waren wir zu 10.00 Uhr zur Feier des Schuljahresende in die Schule von Corlata eingeladen. Alle Kinder des Kindergartens und der Schule hatten sich in einem Klassenraum versammelt. Viele Eltern waren gekommen. Etwas später kamen auch die Bürgermeisterin und die Schuldirektorin. Die Kindergartenkinder sangen ein Lied vor. Jede Klasse trug etwas vor: Ein Lied, eine Fabel oder ein Theaterstück, z. T. in Verkleidung oder alten Trachten. Einige Stücke waren sehr lang und schwierig. Die Kinder kamen ins Stocken, die Lehrer mussten mit dem Text helfen, die Eltern wurden unruhig. Aber jede Gruppe erhielt ihren verdienten Applaus.

Zum Ende der Feier wurden die besten Schüler jeder Klasse mit einem Diplom und einem Buchgeschenk ausgezeichnet. Zeugnisse gibt es in der Grundschule nicht. Die Kinder der 4. Klasse wurden aus der Schule in Corlata verabschiedet. Ab der 5. Klasse gehen die Kinder entweder nach Berchisesti oder nach Dragoiesti in die Schule, je nachdem, auf welcher Seite des Dorfes sie wohnen oder wie die Eltern es wollen. In Berchisesti wird der Unterricht bis zur 8. Klasse angeboten (so lange ist Schulpflicht), in Dragoiesti bis zur 10. Klasse.

Nach dem Ende der Feier übergaben wir die am Vortag eingekauften Sachen. Außerdem ein gespendetes Boccia-Spiel. Da den Lehrern und der Kindergärtnerin das Spiel unbekannt war, wurde nach einer kurzen Erklärung von uns erst mal gespielt.

Wie wir zu Hause feststellten, hat der Fotoapparat nach dem 1. Film gestreikt, sodass wir den weiteren Bericht nicht mit Bildern ergänzen können.

Am Nachmittag setzten wir uns mit Doina und Gica Boca zusammen, um über den Toilettenbau zu sprechen. Die beiden hatten wegen unserer Abwesenheit ein Auge auf die Arbeiten. Auch hatten sie Geld von uns erhalten um die Arbeiten und noch benötigtes Material zu bezahlen. Vorhandene Rechnungen und Quittungen händigten sie uns aus. Das noch vorhandene Geld würde für die restlichen Arbeiten ausreichen.

Für die Verzögerungen beim Toilettenbau nannten sie folgende Gründe: Der Handwerker hatte das alte Fenster nicht ausgebaut, weil er befürchtete, dass nachts Baumaterial entwendet würde. Als das neue Fenster geliefert wurde, war das Wetter so schlecht, dass das alte Fenster nicht ausgebaut werden konnte. Auch das weitere mauern des Schornsteins war nicht mehr möglich. Die restlichen Arbeiten sollten jetzt in der Woche nach unserer Abreise durchgeführt werden.

Am 16. fuhren wir noch einmal nach Corlata. In der Schule holten wir Briefe der Kinder der 3. Klasse für die Partnerklasse in Brokstedt ab und verabschiedeten uns bis zu unserem nächsten Besuch im September.

Außerdem sorgten wir für Unterkunft und Verpflegung in den Tagen, die der Handwerker noch für den Toilettenbau brauchte. Für die Mittagszeit waren wir von Frau Taran zum Grillen eingeladen. An einer Schäferei auf freier Weidefläche bei Corlata trafen wir uns mit der Bürgermeisterin, dem Gemeindesekretär und dem Gemeindevertreter Herrn Hogea. Während wir die Tage zuvor Pulloverwetter hatten, noch am Donnerstag hatte es bei 10° C den ganzen Tag geregnet, konnten wir jetzt bei Sonnenschein und 23° C den Ausblick auf die herrliche Gegend genießen. Die Schafe wurden gerade gemolken als wir ankamen, bei der Käsezubereitung konnten wir zuschauen. Ein Schaf wurde gerade geschoren, mit der Schere, nicht elektrisch. Dort gab es keinen Strom. Bei Tisch konnten wir die Beweggründe für unser Engagement und die Ziele des Vereins nochmals erläutern. Nach einigen schönen Stunden verabschiedeten wir uns bis zum Herbst.

Schon um 6.00 Uhr früh machten wir uns am 17.06. auf den Weg nach Cluj, damit unsere Dolmetscherin an dem Sonnabend den letzten Zug nach Hause erreichen konnte. Sie sollte schon am Montag beruflich nach München fliegen. Wir bedankten uns herzlich bei Ioana für die Begleitung.
Nach insgesamt 12 Stunden erreichten wir ein Motel in Ungarn. In Ungarn mussten wir die Uhren wieder eine Stunde zurückstellen. Dort war es so heiß, das wir schon dachten, wir könnten wegen der Hitze nicht schlafen. Aber die Anstrengungen der letzten Tage sorgte dafür, dass wir sogar sehr schnell einschliefen.

18.06.: Nach weiteren 10 Standen Fahrt kamen wir wieder in Krumme Fohre an. Sieglinde und Hans-Peter waren wieder zu Hause angekommen.
Am Morgen des 19. verabschiedeten wir uns von Sieglinde und Hans-Peter und dann kamen auch wir nach weiteren 7 ½ Stunden wieder wohlbehalten nach Hause. Auch wenn wir den Toilettenbau noch nicht abnehmen konnten, war es doch wichtig, dass wir jetzt schon dort waren, um zu zeigen, dass wir nicht nur das gespendete Geld ausgeben, sondern auch daran interessiert sind, dass die in Auftrag gegebenen Arbeiten durchgeführt werden. Der Kontakt und die Gespräche mit den Dorfbewohnern, dem Pfarrer, der Schuldirektorin, der Bürgermeisterin, dem Gemeindevertreter... waren für alle Beteiligten wichtig und aufschlussreich, und für uns Ansporn für die nicht immer leichte Arbeit vor Ort.