2004   von Birte und Julian von Borries
11. bis 13.09.2004
Gemeinsam mit Christel und Heinz Lorenzen machten wir uns, dieses Mal mit zwei PKW, beladen bis unter das Dach mit gespendeter Kinderbekleidung, Spielzeug und Medikamenten, nach Rumänien auf.
Am ersten Tag erreichten wir ein Hotel östlich von Wien. Der zweite Tag führte uns durch Ungarn und über die Grenze nach Rumänien, wo wir in Baile Felix nächtigten.
Am dritten Reisetag trafen wir uns mit unserer Dolmetscherin Ioana in Cluj und legten die letzten 300 km über die Karpaten bis zu unserem Reiseziel - Vama - zurück.
Unsere Freunde und Gastgeber, Doina und Gica Boca, erwarteten uns bereits mit einem köstlichen Abendessen.
14.09.2004
Nach dem Frühstück wurden die Fahrzeuge entladen. Die gespendete Kinderkleidung verteilten wir auf 80 annähernd gleichwertige Pakete, die jeweils durch ein Kuscheltier ergänzt wurden. Die gespendete Kleidung für Erwachsene separierten wir, um sie zur Verteilung an besonders Bedürftige dem Pastor des Dorfes Corlata geben zu können. Die Pakete wurden dann wieder in den Fahrzeugen verstaut, um sie am 15.09., dem ersten Schultag, nach Corlata zu transportieren.
Spendenverteilung in Corlata
15.09.2004
Zum Schulanfang fuhren wir - wie schon im letzten Jahr - in die Schule von Corlata. Dort wurden wir von den Kindergarten- und Schulkindern bereits ungeduldig erwartet. Zu einer kleinen Andacht versammelten wir uns zusammen mit den Kindern, ihren Eltern, den Lehrkräften sowie dem Pastor und einem Messdiener bei strahlendem Sonnenschein auf dem Schulhof.
Nach dem Ende der Andacht verteilten sich die Kinder auf ihre Klassenräume. Dort überreichten wir die am Vortag gepackten Päckchen zusammen mit einer Tüte Süßigkeiten, die Christel bereits in Deutschland mit viel Mühe - damit möglichst viel in die kleine Tüte passt - vorbereitet hatte.
Danach durften die Kinder nach Hause gehen, während wir uns mit den Lehrkräften, dem Pastor sowie dem Elternsprecher zusammensetzten, um die aktuelle Situation sowie unsere Überlegungen zu besprechen.

Zunächst informierten uns die Lehrkräfte über die Nutzung der bereits laufenden Projekte:
- Die Schulbücherei wurde sehr gut genutzt.
- Der Kopierer hat den Lehrkräften bei der Unterrichtsvorbereitung gute Dienste geleistet, da Übungsmaterial nun einfacher herzustellen und zu vervielfältigen war. Auch die Dorfbewohner nutzten die Möglichkeit Kopien herstellen zu können vereinzelt, z. B. zur Vorbereitung von Behördengängen.
- Die Vitamine und Mineralien, die wir im vergangenen Jahr beschafft hatten, waren in Abstimmung mit der Ärztin in den Klassen verteilt worden. Zur einfacheren Abwicklung wurde vereinbart, dass die Vitamin- und Mineralpräparate in diesem Jahr direkt an die Schule übergeben und von einer Lehrkraft ausgegeben werden sollen.

Danach informierten wir uns über den aktuellen Bedarf:
- Schul- und Übungsbücher waren nur für die ersten beiden Schuljahre zur Verfügung gestellt worden. Daher sollten für das dritte und vierte Schuljahr aus den Vereinsmitteln die kompletten Klassensätze beschafft werden. - Außerdem wurden gewünscht: Mal- und Zeichenblöcke, Papier, Bastelpapier, Scheren, Klebstoff und Knetmasse.

Anschließend besprachen wir unsere Ideen und Vorschläge:
- Aus einer zweckgebundenen Spende hatten wir in diesem Jahr die Möglichkeit, eine Spielothek einzurichten. Dazu wollten wir verschiedenste Spiele besorgen, die dann, wie die Bücher der Schulbücherei, von den Kindern und deren Eltern ausgeliehen werden können.
- Da die sanitären Einrichtungen in keiner Weise den hygienischen Anforderungen entsprechen, hatten wir uns im Vorwege überlegt, dass wir sie nach Möglichkeit erneuern wollen. Die alte Toilettenanlage besteht aus betonierten Pinkelrinnen und in Beton eingefassten Löchern im Boden ohne Wasserspülung und ist in einer unbeheizten Baracke zehn Meter vom Schulgebäude entfernt untergebracht.
Schulhof in Corlata

Kinder in Corlata

Kinder in Corlata

Klassenzimmer in Corlata
Unser Vorschlag wurde mit äußerst positiver Resonanz aufgenommen. Umgehend wurden die Direktorin der übergeordneten Schule aus Dragoiesti sowie die für das Schulgebäude zuständige Bürgermeisterin verständigt. Sie kamen kurzfristig herbeigeeilt, um mit uns über das Projekt zu diskutieren. Ein passender Raum im Schulgebäude wurde schnell gefunden: Eine zur Zeit als Lagerraum genutzte Kammer erschien allen Anwesenden geeignet, eine Toilettenanlage mit drei Kabinen zu installieren. Unklar blieb zunächst, wie der Raum beheizt werden kann, als Möglichkeiten wurden elektrische Heizung und Holz- bzw. Gasöfen diskutiert. Die Wasserversorgung durch den Schulbrunnen stellt kein Problem dar, es sind nur eine geeignete Pumpe sowie Wasserleitungen zu installieren. Auch der Bau eines Tanks für das Abwasser ist möglich. Die Bürgermeisterin sagte die Durchführung einfacher Tätigkeiten wie z.B. Aushubarbeiten durch zu Gemeindearbeit verpflichtete Sozialhilfeempfänger zu. Weiterhin wird sich die Bürgermeisterin um die notwendige Baugenehmigung kümmern. Die Direktorin aus Dragoiesti bot an, bis zum Wochenende erste Angebote von Fachfirmen einzuholen.
Das nächste Treffen wurde für den kommenden Sonntagnachmittag vereinbart.

Wieder zurück in Vama sortierten wir die Geschenke für die Kindergarten- und Schulkinder.

16.09.2004
Am Vormittag fuhren wir wieder nach Corlata. Auf dem Weg dorthin machten wir Halt bei der Sozialstation in Berchisesti, um die von einem Kinderarzt und einem Internisten aus Lübeck gespendeten Medikamente bei Dr. Melinte abzugeben.

Da wir bereits am Vortag unseren erneuten Besuch mit Geschenken für jedes Kind angekündigt hatten, wurden wir in Corlata bereits sehnsüchtig erwartet.
- Die Mädchen im Kindergarten und der ersten Klasse erhielten jeweils eine Puppe mit Kleidung zum Wechseln.
- Den Jungs im Kindergarten und der ersten Klasse überreichten wir Spielzeugautos und -traktoren.
- In der zweiten Klasse verteilten wir Tuschkästen.
- Die Kinder der dritten und vierten Klasse staunten über die Patronenfüllhalter, die sofort in Betrieb genommen wurden. Ersatzpatronen wurden bei den Lehrkräften deponiert.
- Alle Schulkinder bekamen einen Malblock und eine Packung Buntstifte zur Benutzung zuhause.
- Alle Kinder, die am ersten Schultag nicht anwesend waren, bekamen noch einen Beutel mit Kleidung, ein Kuscheltier und Süßigkeiten.
- Den Lehrkräften brachten wir kleine Präsente mit.

Die übrige Kinderkleidung sowie Kleidung für Säuglinge und Erwachsene brachten wir in das Pastorat zur Verteilung an besonders Bedürftige. - Wenige Tage später berichtete uns der Pastor, dass die Erwachsenen die Kleidung begeistert in Empfang genommen hatten und bereits am Sonntag neu eingekleidet zum Gottesdienst erschienen waren.
Spielzeuge für die Kinder in Corlata

Kinder in Corlata

Kinder in Corlata
Anschließend statteten wir der Familie der im letzten Jahr unterstützten Studentin einen Besuch ab, um die Notwendigkeit einer weiteren Beihilfe zu prüfen. Wir unterstützten sie - wie im letzten Jahr - mit einer Beihilfe zur Studiengebühr.
Ein Treffen mit den anderen Studenten aus Corlata ergab, dass zur Zeit keine weiteren Studienbeihilfen benötigt werden.

17.09.2004
An diesem Tag machten wir uns zusammen mit Angelica Bialy, der Lehrerin der zweiten Klasse, auf den Weg nach Suceava, um dort das benötigte Schul- und Bastelmaterial einzukaufen. Für den Sportunterricht wurden Fuß-, Volley- und Gymnastikbälle besorgt. Weiterhin konnte mit 27 Spielen der Grundstock für die Spielothek gelegt werden.
Treffen mit Studenten in Corlata
18.09.2004
Dieser Tag stand ganz im Zeichen der Informationsbeschaffung für den Neubau der Toilettenanlage.
Wir besuchten eine der beiden Schulen von Vama, in der zur Zeit neben einer Grundrenovierung auch die Sanitäranlagen erneuert wurden. Auch hier konnten die Baumaßnahmen nur durch Spendengelder finanziert werden.
19.09.2004
Am Sonntag fuhren wir zu einem weiteren Gespräch über den Neubau der Toilettenanlage nach Corlata. Anwesend waren die Bürgermeisterin, die Direktorin, die Schulleiterin, ein weiterer Lehrer sowie der Elternsprecher.
Die Direktorin legte einen ersten Kostenvoranschlag für das benötigte Material vor, der lebhaft diskutiert wurde. Um die laufenden Kosten gering zu halten, wurde vereinbart, einen Holzofen zu installieren.
Weiterhin wurde vereinbart, Vergleichsangebote einzuholen.
Besprechung in Corlata
Mit der Bürgermeisterin wurde über eine Kostenbeteiligung der Gemeinde diskutiert. Sie wird zum 01.01.2005 ein Projekt eröffnen, über das versucht werden soll, Gemeindegelder bereitzustellen. Außerdem wird die Bürgermeisterin die Projektleitung vor Ort übernehmen.
Nebenbemerkung: Die Bürgermeisterin wurde uns von vielen Dorfbewohnern unabhängig voneinander als sehr engagiert beschrieben. So organisierte sie z. B. einen Winterdienst, so dass das Dorf Corlata erstmals den ganzen Winter über per PKW erreichbar war. Weiterhin ist die Befestigung der Zufahrtstraßen nach Corlata in Planung. Das ist die Voraussetzung für den Anschluss von Corlata an das öffentliche Linienbusnetz.

20.09.2004
Heute kauften wir - wie schon im letzten Jahr - ein Multivitamin- und Mineralstoffpräparat, das den Winter über in der Schule und dem Kindergarten ausgegeben werden soll. Außerdem besorgten wir die fehlenden Schulbücher.

21.09.2004
Durch unseren Kontakt mit der Schule in Vama erhielten wir ein weiteres Richtpreisangebot für die Baumaßnahmen in Corlata. Dieses Angebot stammte von der Firma, die die Modernisierung der sanitären Anlagen in der Schule von Vama zur allseitigen Zufriedenheit realisiert hat.
Abends wurden mit Doina Boca die Finanzangelegenheiten des vergangenen Jahres abgerechnet.
Anschließend wurden die neu angeschafften Gegenstände in die Inventarlisten der Schule übertragen.

22.09.2004
Zusammen mit einem Vertreter einer weiteren Fachfirma besichtigten wir die örtlichen Gegebenheiten der Schule in Corlata. Auf Basis dieses Besuches wird die Firma ein Angebot erstellen.
23.09.2004
Am Vormittag fuhren wir erneut nach Corlata, um die neu angeschafften Gegenstände an die Schule zu übergeben und die Inventarliste unterzeichnen zu lassen. Besondere Freude bereiteten die Bälle für den Kindergarten.
Am Nachmittag legten wir gemeinsam mit Doina Boca die Schwerpunkte für Anschaffungen während unserer Abwesenheit im kommenden Schuljahr fest und überreichten ihr dafür einen Vorschuss.
Kinder in Corlata
Die Rückfahrt führte uns zunächst nach Sibiu, wo wir unseren Dolmetscher der vergangenen Jahre besuchten und mit ihm die Ereignisse dieses Jahres besprachen. Dies war vor allem deswegen sinnvoll, weil er gemeinsam mit Ioana, der Dolmetscherin aus diesem Jahr, den Kontakt zwischen Doina Boca, und damit der Schule in Corlata, und dem Verein Die Kinder von Corlata während des laufenden Jahres ermöglicht.
Nach zwei weiteren Reisetagen erreichten wir schließlich nach etwa 6.300 km seit Beginn der Reise zurückgelegter Wegstrecke wieder Schleswig-Holstein.