2003   von Hermine von Borries
09.09.2003
Am 09. September brachen Christel und Heinz Lorenzen, zwei Vorstandsmitglieder des Vereins, mit einem Astra Kombi und zusätzlicher Dachbox, vollgepackt mit gespendeter Kinderbekleidung, Spielzeug und Medikamenten nach Rumänien auf. Es gab keine Staus. Deshalb erfolgte die erste Übernachtung nach 1200 km in einer Raststätte hinter Wien.

10.09.2003
Weiter ging es nach dem Frühstück durch Ungarn. An den Grenzen hatten sie keine Probleme mit den Spenden. An der Grenze nach Rumänien fragte der Zöllner mehrfach nach Elektrogeräten, welche sich jedoch nicht im Gepäck befanden. Nach der Erklärung, dass sie Bekleidung und Spielzeug für die vielen Familien, die sie besuchen wollten, dabei hatten, bat er um zwei Spielzeugteile für vierjährige Kinder. Diesen Wunsch erfüllten sie dem Zöllner gerne. Und schon konnten sie weiterfahren. Die zweite Übernachtung erfolgte in einem Hotel in Baile Felix in Rumänien.

11.09.2003
An diesem Tag trafen sich Christel und Heinz mit unserem Dolmetscher Dan Cimpoca in Cluj und fuhren weiter nach Vama. Dieser Ort liegt ca. 40 km von Corlata entfernt und dient während unserer Aufenthalte in der Bukowina als Domizil, da es in Corlata keine Hotels oder Pensionen gibt.

12.09.2003
Am 12.09. startete ich mit Birte und Julian von Borries zur diesjährigen Reise nach Rumänien. Abflug Hamburg über Wien zum internationalen Flughafen Bukarest Otopeni. Per Taxi fuhren wir weiter zum nationalen Flughafen Bukarest Baneasa. Mit etwas Verspätung flogen wir anschließend mit einer kleinen Propellermaschine der Angel Airlines nach Suceava, mit kurzer Zwischenlandung in Iasi.
In Suceava wurden wir von Heinz und Dan erwartet. Nach einstündiger Fahrt erreichten wir die Casa Boca, unsere schon von den früheren Reisen bekannte und geschätzte Herberge. Unsere Freunde und Gastgeber, Doina und Gica Boca, erwarteten uns bereits mit einem köstlichen Abendessen.
13.09.2003
Nach einem reichhaltigen Frühstück begannen wir, die von Christel und Heinz im Auto transportierte Kinderbekleidung zu sortieren. Da wir erfahrungsgemäß mit etwa 70 Kindern bei der Feier zum Schulbeginn rechneten, packten wir 75 Päckchen, die - soweit möglich - jeweils einen Pullover oder ein Hemd, eine Jacke, ein T-Shirt, Strümpfe, ein Paar Schuhe und ein Kuscheltier enthielten. Alle Päckchen wurden in Koffern und Säcken verstaut, um nach Corlata gefahren zu werden. Sie sollten bei dem offiziellen Schulbeginn nach den Sommerferien, zu dem wir eingeladen waren, an die Kinder verteilt werden. Christel stiftete noch 80 kleine Tüten mit Süßigkeiten. Auch hatte sie für von Kindern gespendete Puppen entzückende Garderobe genäht.
Schulbegin in Corlata
Bei unserem Besuch im vergangenen Jahr war der Wunsch nach einer zweiten Kindergartengruppe laut geworden. Es bestand dringender Bedarf, aber das Geld für die Einrichtung eines zweiten Raumes war nicht vorhanden. So hatten wir uns eigentlich vorgenommen, den zweiten Raum für den Kindergarten auszustatten.
Inzwischen stellte sich jedoch heraus, dass aufgrund der stark gewachsenen Schülerzahl (42 Kinder in 4 Schuljahren) in diesem Jahr die Möglichkeit einer dritten Schulklasse bestand. Damit würde jedoch der ursprünglich für den Kindergarten eingeplante Raum als dritter Klassenraum benötigt. Für diesen könnten aber zumindest Stühle und Tische sowie eine Grundausstattung aus Schul- und EU-Mitteln beschafft werden.
Nun ging es darum, schnellstmöglich eine Lehrkraft für Corlata zu gewinnen. Natürlich war es schade, dass nun doch keine zweite Kindergartengruppe eingerichtet werden konnte, aber die dritte Schulklasse hatte Priorität und die Räumlichkeiten im Schulgebäude sind damit ausgeschöpft.
14.09.2003
Glückliches Geschick: Eine im Nachbarort wohnende Lehrerin, Angelica Bialy, hatte eigentlich eine Stelle in einem weiter entfernten Ort erhalten. Als sie jedoch zum ersten Arbeitstag erschien, sagte man ihr, dass die Stelle doch nicht zu besetzen sei. Wir fragten sie, ob sie in Corlata als Lehrerin arbeiten würde, was sie gerne bejahte. Nach Gesprächen mit der Schulleitung und der übergeordneten Stelle in Dragoiesti nahm Doina Kontakt zum Schulinspektor auf, um sich über die Chancen für die Einrichtung einer dritten Schulklasse zu informieren.

15.09.2003
An diesem Tage fuhren wir früh und mit großem Gepäck zum Schulanfang nach Corlata. Außer Frau Cioltan, der Schulleiterin, und ihrem Mann, der auch Lehrer ist, waren noch der Pope des Dorfes, die Kindergärtnerin sowie ein Elternvertreter anwesend. Ein Klassenraum war voll besetzt mit den 42 Schülern, darunter 16 ABC-Schützen, auch einige Eltern waren gekommen. Die Schulleiterin hatte ein Programm vorbereitet, mit Liedern und Gedichten, die von den Schülern vorgetragen wurden.
Dann wurde ein kleiner Altar aufgebaut mit einem dreiarmigen Leuchter, einer Schale Wasser und einem Büschel Basilikumkraut, das hier als "heiliges Kraut" gilt.
Der Pope legte sein schönes, blauseidenes Gewand an und begann seine Gebete und liturgischen Gesänge, zum Teil zweistimmig mit dem Messdiener. Dann wurden die Kinder gesegnet, wobei sie unter das ausgebreitete Gewand des Popen schlüpften. Ich wurde sehr an ein Bild der "Schutzmantelmadonna" erinnert.
Das Wasser in der Schale wurde geweiht und alle wurden mit dem Weihwasser besprengt. Die Schulleiterin hielt eine Ansprache, auch unser Vorsitzender Heinz sprach zu den Kindern und allen Versammelten, stellte uns vor und erklärte die Ziele unseres Vereins. Wie immer war Dan als Übersetzer unersetzlich! Heinz betonte am Beispiel von Dan, wie wichtig Schule und Lernen für die Zukunft der Kinder sind.
Als kleines Dankeschön für die Darbietungen der Kinder spielten Birte und ich zwei kleine Mozart-Menuette auf Sopranflöten, die wir dann zusammen mit einer Alt-Blockflöte und einigen Noten der Schulleiterin zur Verwendung im Unterricht überreichten.
Anschließend verteilten wir die Kleiderspenden, die Süßigkeiten, die Puppen mit den liebevoll genähten Kleidern und einige Spielsachen für den Kindergarten. Alle Erstklässler erhielten für den Mathematikunterricht einen Abakus (Rechenbrett).
Die Kinder hatten Blumensträuße mitgebracht, mit denen sie uns beschenkten. Wir waren sehr gerührt von dieser lieben Geste.
Im Anschluss wurden wir zu einem Glas Wein in das Lehrerzimmer gebeten. Bei dem Gespräch erfuhren wir, dass für die Schule dringend ein Kopiergerät benötigt wurde, da trotz Lehrmittelfreiheit nicht in allen Fächern für alle Schüler ausreichend Unterlagen zur Verfügung gestellt werden konnten. Da ein Kopierer in dieser Region einen großen Wertgegenstand darstellt, wurde vereinbart, das Lehrerzimmer, in dem der Kopierer stehen wird, mit zusätzlichen Tür- und Fenstergittern zu sichern.
Für den Kindergarten wurden Gesellschaftsspiele und - wie schon im letzten Jahr - Malutensilien gewünscht.
Pope in Corlata

Monzart Menuette in Corlata

Kinder in Corlata

Blumensträuße von Kindern in Corlata

Gesellschaftsspiele in Corlata
16.09.2003
Heute waren wir mit Angelica Bialy sowie der Direktorin der übergeordneten Schule unterwegs, um mit dem Schulinspektor über die Details der Einrichtung einer dritten Klasse zu sprechen. Auch der Schulinspektor war mit der Einstellung von Angelica, die im vergangenen Jahr vertretungsweise die Kindergartengruppe geleitet hatte, einverstanden. Dieses Ergebnis begrüßten wir sehr, da Angelica die Erstklässler bereits kannte und es so eine gute und vertrauensvolle Basis gab.
Durch den Popen erfuhren wir, dass eine Familie mit vier Töchtern größte Schwierigkeiten hatte, die Studiengebühren von 500,- Euro im Jahr aufzubringen. Die Familie bringt große Opfer, um einem ihrer Kinder das Studium zu ermöglichen. Der Verein wird die Studentin für das kommende Studienjahr unterstützen.

17.09.2003
Heute waren wir noch einmal in Corlata, um einige Fotos zu machen. Später besuchten wir die für Corlata zuständige Ärztin Dr. Melinte, um gespendete Medikamente zu überreichen. Sie bat zusätzlich um einige spezielle Medikamente für Babys, die dringend gebraucht wurden. Auch Vitaminpräparate sowie Mineralien wurden für den bevorstehenden langen und harten Winter benötigt.
Anschließend besuchten wir die Eltern der Studentin, die uns von ihren Sorgen berichteten. Es sind sehr einfache, bescheidene Menschen, und es ist beachtlich, wie viel sie für die Tochter zu opfern bereit sind.
Für den Nachmittag wurde ein Treffen am Bahnhof von Gura Humorului mit der Studentin verabredet, um den Studentenausweis zu kopieren, den wir als Beleg benötigten.
Vater und Tochter waren überglücklich und wir waren froh, ein wenig helfen zu können.
Am Abend luden wir unsere Gastgeber Doina und Gica zum Abendessen ein, um ihnen Dankeschön zu sagen, für die unendliche Mühe, die vielen Gespräche, die immer wieder notwendigen Wege, für allen Einsatz, den sie für den Verein Die Kinder von Corlata engagiert und selbstlos begingen.

18.09.2003
Heute mittag fuhren wir nach Suceava, um uns nach einem Kopiergerät für die Schule umzusehen. Nach einigem Suchen und Vergleichen fanden wir ein Tischgerät bei einem Fachhändler, der sich trotz der weiten Entfernung nach Corlata - ca. 30 km, teilweise über Feldwege - bereit erklärte, auch den Vor-Ort-Service zu übernehmen. Dazu besorgten wir einen großen Stapel Kopierpapier.
Für den Kindergarten erstanden wir größere Mengen Knetmasse und zwei Gesellschaftsspiele für jeweils 4 - 6 Spieler.
19.09.2003
Freitag war die Zeit für Birte, Julian und mich schon wieder vorbei. Dan und Heinz brachten uns morgens zum Flughafen in Suceava. Auf der Rückfahrt besuchten sie noch einmal die Familie Duca in Corlata, um den Zuschuss zu den Studiengebühren zu überreichen.
Familie Duca in Corlata
20.09.2003
Am Sonnabend sollte der Kopierer geliefert werden. Dan, Christel, Heinz, Doina und ein Metallfachmann, der die Einbruchsicherungen am Lehrerzimmer montieren wird, fuhren nach Corlata, um den Kopierer mit Herrn und Frau Cioltan sowie Angelica in Empfang zu nehmen und sich mit der Bedienung des Gerätes vertraut zu machen. Bei dieser Gelegenheit wurde für den Kindergarten eine Puppenwiege aus Holz überreicht, die am Vortag in einer Spielzeugfabrik in Frasin gekauft worden war.
Abends wurden mit Doina die Finanzangelegenheiten dieses Jahres abgerechnet. Es wurden ihr die verauslagten Beträge erstattet. Bei dieser Gelegenheit wurde ihr noch einmal für ihre Bemühungen um die Ziele des Vereins gedankt.
Kopierer in Corlata
21.09.2003
Am Sonntag verließen auch Christel, Heinz und Dan den Ort Vama und machten sich auf die Weiterfahrt in die Mara Muresch, um noch eine Woche Urlaub anzuhängen und einen weiteren Landesteil von Rumänien kennen zu lernen.